von Holger Bienert
Auch wenn jetzt ein paar Euro für das
Phrasenschwein fällig wären: Das zweite Jahr ist für
einen Aufsteiger bekanntlich schwerer, als das erste. Eine
Erfahrung, die mit Ablauf der vergangenen Spielzeit der VfR Bachem
machen musste.
Profitierte der Club bei seiner Debütsaison in der Landesliga
von der Insolvenz eines Mitkonkurrenten und rettete sich nur dank
einer hauchdünn bessren Tordifferenz ins Ziel, blieb das Team
in der vergangenen Spielzeit seine Ligatauglichkeit schuldig. Der
Gang in die Bezirksliga musste angetreten werden.
Viel Zeit für einen Rückblick blieb nicht, weil sich mit
dem Abstieg zwei Baustellen auftaten. Zum einen verließ der
langjährige Erfolgstrainer Matthias Brücken den Club, und
zum zweiten fiel die Mannschaft nach dem Abstieg auseinander.
Lediglich sieben Spieler des 18-Mann-Kaders blieben.
Eine Baustelle konnte mit der Verpflichtung von Udo Taglieber
schnell geschlossen werden. Nach zehn Jahren kehrt der
47-Jährige ehemalige Trainer der Bachemer Zweiten als
Cheftrainer zurück. "Als dass Angebot kam, brauchte ich
nicht lange überlegen. Bachem ist ein gut geführter
Verein mit einer tollen Struktur. Alles in allem eine reizvolle
Aufgabe."
Taglieber kennt also das Umfeld. Schwieriger dürfte es werden,
eine eingespielte Elf aus dem neuen Kader zu schnitzen. Die im
Durchschnitt 24 Jahre alte Truppe beschriebt der Coach als
"erfolgshungrig und mit großem Potenzial." Aussagen,
die auf eine eher langfristige Planung schließen lässt.
Spieler mit Erfahrung aus höheren Spielklassen, oder zumindest
der Bezirksliga, sind nicht zu finden. Abgesehen vom ehemaligen
A-Jugendspieler Julien Desprez kommen alle Neuzugänge aus der
Kreisliga A. Nahe liegend, dass das Hauptaugenmerk des Trainers
gerade im ersten Drittel der Vorbereitung dem Teambuilding galt.
"Wir müssen so schnell es geht, ein Team werden, auf und
neben dem Platz. Die Qualität, um uns schnell zu finden, ist
da." Offen bleibt, welches Spielsystem die Spieler hergeben.
Alles außer einer Viererkette in der Abwehr ließ
Taglieber offen. "Wir sind noch dabei, eine neue Achse zu
finden, da ist noch nichts fest. Wir wollen auf jeden Fall im
Mittelfeld variabel sein."
Pech nur, dass zwei wichtige Spieler beim Saisonstart
möglicherweise nicht zur Verfügung stehen. Cina Takhsha
wird definitiv für ein Semester im Ausland studieren und bei
Neuzugang Vladimir Darmanovic von RW Berrendorf brach in der
Vorbereitung eine alte Knieverletzung wieder auf, die den
Mittelfeldstrategen schon einmal für ein halbes Jahr
außer Gefecht setzte. Silberstreif am Horizont ist hier
Philipp Maschner, der die entstandene Lücke in der Offensive
füllen soll. Eine Rolle, die Taglieber dem erfahrenen Spieler
ohne weiteres zutraut.
Entsprechend zugeknöpft zeigt sich Udo Taglieber bei der
Formulierung der Saisonziele. "Dass wir als Absteiger aus der
Landesliga auch automatisch zum Favoritenkreis zählen,
lässt sich einfach nicht vermeiden. Der Aufstieg ist kein
Muss, auch nicht in der nächsten Saison. Wir nehmen aber diese
Rolle an, abhängig davon, wie wir aus den Startlöchern
kommen und natürlich brauchen wir auch das nötige
Quäntchen Glück." Und wieder drei Euro fürs
Phrasenschwein!




