Bachem (lk). "Ich muss schon sagen, ihre
Podiumsdiskussionen sind ja immer gut besucht, aber so voll wie
heute war unsere Aula bei einer IFU-Veranstaltung noch nie",
gratulierte Markus Besserer, Leiter des CJD-Bildungswerkes Frechen,
dem Vorsitzenden der Interessenvereinigung Frechener Unternehmer
(IFU) Horst Winkelhag.
Die IFU hatte zur Podiumsdiskussion zu den Themen "Schule,
Bildung und Fachkräftemangel" mit der NRW-Schulministerin
Sylvia Löhrmann eingeladen. Zahlreiche Vertreter aus Bildung,
Politik und Wirtschaft waren ins Christliche Jugenddorf gekommen,
um den Ausführungen der Grünen-Politikerin zu folgen. In
seiner Begrüßungsrede sparte Winkelhag - wie gewohnt -
nicht an Zitaten.
Dabei stellte sich heraus, dass kluge Menschen schon vor geraumer
Zeit auf Probleme hingewiesen haben, mit denen die deutsche
Wirtschaft aktuell zu kämpfen hat. Benjamin Franklin
(1706-1790), Gründervater der USA, wusste schon "Eine
Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen".
Adolf Haslinger (geb. 1933), Rektor der Universität Salzburg,
warnte: "Wer an der Jugend spart, wird in Zukunft
verarmen" und der ehemalige Bundespräsident Richard von
Weizsäcker (geb. 1920) riet: "Möglichst viele
sollten möglichst viel wissen".
Gehört hat anscheinend niemand auf sie, denn die deutsche
Wirtschaft bemängelt einen beginnenden Fachkräftemangel!
Verantwortlich macht Winkelhag dafür auch das deutsche
Bildungssystem: "Es fehlen Lehrkräfte, viele Lehrer sind
ausgebrannt und ständig fällt Unterricht aus! Die Schule
ist die Keimzelle, um dem zunehmenden Fachkräftemangel zu
begegnen", so Winkelhag.
Bedingt durch den demographischen Wandel, würden den
Unternehmen in Zukunft immer weniger geeignete Auszubildende zur
Verfügung stehen. "Die Schüler können sich bald
ihre Lehrstellen aussuchen. Unternehmen die nur ein befriedigendes
Angebot stellen, werden bei der Azubi-Suche leer ausgehen",
warnte der IFU-Vorsitzende.
Eine gute Schulbildung und attraktive Ausbildungsstellen seien
unabdingbar um dem drohenden Fachkräftemangel
entgegenzuwirken.
Bevor sich Sylvia Löhrmann an der Podiumsdiskussion mit
Lehrerin Doris Steinmetzer, Heinz Schumacher von RWE-Power und dem
Frechener Unternehmer Peter Zeiler beteiligte, stellte sie den
Zuhörern das Bildungskonzept der NRW-Landesregierung vor.
Offenkundig sei die Zeit einfach reif für grundlegende
Veränderungen. Kernelement des neuen Schulgesetzes sei die
Sekundarschule als neue Schulform. Sie würde neben den bereits
bestehenden Schulformen Hauptschule, Realschule, Gymnasium und
Gesamtschule im Schulgesetz verankert.
Die neue Schulform solle dazu beitrage, langfristig ein
attraktives, gerechtes, leistungsfähiges, umfassendes und
wohnortnahes Schulangebot zu gewährleisten.
Nach gemeinsamen Unterricht in den Jahrgangsstufen 5. und 6. sollte
später der Unterricht integriert, teilintegriert und in
getrennten Bildungsgängen erfolgen.
Die neue Schulform entspräche dem Wunsch vieler Eltern, die
die Bildungswege ihrer Kinder länger offen halten wollen.
Trotz sinkender Schülerzahlen möchte die NRW-Regierung
keine Lehrpersonal-Stellen abbauen.
Ob ein viergeteiltes Bildungssystem bei einem weiteren
Rückgang der Schülerzahlen aufrechterhalten werden
könne, sei nicht gewiss. Dass Städte wie Frechen und
Köln vorerst keine Sekundarschule planen würden, sei aber
völlig legitim. "Wenn eine Kommune sagt, wir sind mit
unseren Schulen und unserem Schulsystem zufrieden, dann wird die
Landesregierung das respektieren", so die Ministerin.
"Wir vertrauen unseren Kommunen, den Schulleitungen und den
Lehrerinnen und Lehrern, denn wir wissen: Gute
Schulentwicklungsplanung und guter Unterricht werden vor Ort
gemacht!" Entscheiden würden letztendlich die Eltern! Und
an deren Wünschen wolle man nicht vorbei entscheiden.
In Bildung investieren
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