von Lars Kindermann
Karneval kann so schön sein! Traditionell hatte
Bürgermeister Hans-Willi Meier den amtierenden Benzelrather
Ritter Wolfgang I. (Buder), den Bachemer Prinz Andreas I. (Cebulla)
und das Gefolge der beiden Ortsteil-Tollitäten ins Rathaus
eingeladen. Neu war allerdings die Uhrzeit des Treffens: Wurde in
den vergangenen Jahren zu einem netten Beisammensein in den
Abendstunden eingeladen, entschied man sich diesmal für ein
gemeinsames - verspätetes - Frühstück.
In seiner Begrüßungsrede geizte Gastgeber Meier nicht mit
Komplimenten: Die aktuellen Jeckenherrscher würden einen
"super Job" machen, die Stadtgarde hätte mit ihrer
"Spitzen-Kindersitzung" den Jeckennachwuchs
gefördert, die Sitzungen der Katholischen Frauengemeinschaft
Deutschlands (kfd) gehörten zu den "Highlights des
Frechener Karnevals" und dass alle drei Frechener
Tollitäten bei der Party der KG Frechen 333 aufgetreten seien,
sei ein Zeichen dafür, dass zurückliegende Streitigkeiten
Einzelner endlich der Vergangenheit angehörten. Meier:
"Mir könne alle miteinander und das ist auch gut
so!" Doch dann war es vorbei mit den versöhnlichen
Tönen!
Hauptverantwortlich dafür war vor allem die Delegation aus
Bachem. Prinzen-Fahrer Hans Sodt beschwerte sich vehement, dass
Tageszeitungen und lokale Anzeigenblätter zu wenig über
den Frechener Karneval berichten würden, Prinz Andreas I. war
der Meinung, dass die Frechener Bevölkerung zu spät
über die Einweihung seiner Hofburg informiert wurde und Hans
Adam Breuer - Vorsitzender der Ortsgemeinschaft Benzelrath -
beschränkte sich bei seiner Medienschelte nicht auf den
Karneval: "In Pulheim kann keiner aufs Klo gehen ohne dass in
der Tagespresse darüber berichtet wird. Über Frechen
steht in den Tageszeitungen nie was drin und wenn dann nur
schlechtes", echauffierte er sich.
Nachdem die (nicht anwesende) Tagespresse und die lokalen
Anzeigenblätter ihr Fett abgekriegt hatten, griff
Prinzenfahrer Sodt das (ebenfalls nicht anwesende) Festkomitee
Frechener Karneval an. Mit Äußerungen wie "als ich
mal kein offizielles Amt im Bachemer Karneval hatte, habe ich mir
an Weiberfastnacht das Programm auf der Rathausbühne angetan.
Das war wirklich enttäuschend" - "es ist hoch
blamabel, wenn die Bühne nach dem Prinzen 45 Minuten leer
bleibt und dann Kräfte aus Leverkusen auftreten" oder
"das Festkomitee muss von seinem hohen Ross runter" legte
die Bachemer Ex-Jungfrau - kurz vor der Eröffnung des
Straßenkarnevals - wieder längst zugeschüttet
geglaubte Gräben zwischen Frechener und Bachemer Karnevalisten
frei.
Zu guter Letzt wurden indirekt sogar noch die Frechener Jecken
kritisiert: "Früher sind wir in volle Säle
einmarschiert, heute ziehen wir in Garagen ein", beschwerte
sich der Bachemer Prinzenführer Günter Clauss. Einen
Zusammenhang zwischen geringerem Publikumsinteresse und reduzierter
medialer Beachtung stellte er allerdings nicht her. Karneval kann
so schön sein - vielleicht nur nicht immer und
überall!

